Safari, die Zweite!

Das neue Jahr ist gar nicht mehr so neu, trotzdem auf diesem Wege noch alles Gute und vor allem Gesundheit. Letzteres ist wohl angesichts rasant steigender Zahlen nicht selbstverständlich. Aber Corona soll jetzt hier nicht Gegenstand des Beitrags werden. Ich will aber nicht verhehlen, dass die Wettersituation hier ein wenig komfortabler ist. Lange Sachen, und da spreche ich nicht einmal von Wintersachen, brauchen wir hier tatsächlich nur ganz selten. Nur, wenn wir über 2000m Höhe sind. Und dann auch nur abends. Es lässt sich also „aushalten“. Über Weihnachten und Neujahr hatten wir die Großeltern Sylvia und Uwe zu Besuch. Nachdem kurz vor ihrer Ankunft die Quarantäne-Regelungen verschärft wurden (3 Tage Hotelquarantäne), wollten wir unsere Pläne eigentlich schon begraben. Weihnachten sollte in diesem Jahr eigentlich im Nationalpark Akagera gefeiert werden. Mit der geplanten Ankunft am 22.12. war also frühestens der 25.12. realistisch. Da zur Weihnachtszeit viele Ruander ebenfalls verreisen, gab es keine freien Termine mehr in der Unterkunft unserer Wahl. Da jedoch das Ergebnis des zweiten PCR-Tests schon am 24.12. kam, konnten Sylvia und Uwe das Hotel bereits früher verlassen und wir konnten uns kurzerhand doch auf die geplante Reise machen. Was für ein Geschenk! Martha und Carl hatten bereits seit dem 15.12. Ferien, die sie sich redlich verdient hatten. Es gab keine Herbstferien, so dass jetzt Zeit zum Verschnaufen war. Ende August während der Trockenzeit hatten wir bereits den Akagera-Park besucht. Peninah, unser Guide, hatte damals schon gesagt, dass wir unbedingt in der Regenzeit wiederkommen sollten. Was lag da also näher. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es trotz Regenzeit nur sehr selten regnet und auf den Feldern den Bauern die Trockenheit zu schaffen macht. Das kommt einem irgendwie bekannt vor. Mal sehen, wie es im Nationalpark aussehen würde. So machten wir uns auf die dreistündige Fahrt und trotz der bevorstehenden Feiertage war die Reise sehr kurzweilig. Wir gönnten uns den Luxus einer Vollverpflegung, so dass wir viel Zeit miteinander verbringen konnten. Heiligabend gab es ein fantastisches Menü am See bei den Nilpferden. Wir gingen früh zu Bett, denn am nächsten Tag sollte uns das Safariauto um 7 Uhr abholen. 5:30 Uhr wurde der Wecker gestellt, um noch ein ausgiebiges Frühstück auf der Terrasse am See zu genießen. Peninah war zuversichtlich wie immer, das wir auch diesmal wieder Wildlife zu sehen bekommen. Sie sollte tatsächlich recht behalten. Sie hatte sich auch viel vorgenommen und wollte mit uns bis in den Norden des Parks fahren. Die Distanzen sind eigentlich nicht sehr groß und die Zeit verging wie im Fluge. Es hatte offenbar doch mehr geregnet als in Kigali. Der Park war kaum wiederzuerkennen. Saftiges Grün und die rote Erde leuchtete im Sonnenschein noch intensiver. Beim ersten Besuch kroch der rote Staub noch durch jede Ritze ins Auto. Dieses Mal waren manche Stellen schlammig und ich fragte, den Fahrer, ob er den Allradmodus benutze. Er versicherte mir, dass er diesen Noch Nie! benötigt habe. Wir waren die ersten, die so früh am Morgen im Park unterwegs wegen. Das hatte den Vorteil, dass wir hoffentlich noch viele Tiere ungestört beobachten konnten. Zu unserer großen Überraschung wurden wir gleich zu Beginn von einer großen Elefantenherde (28 Tiere) begrüßt, die unseren Weg versperrten. Diese majestätischen Riesen in sicherer Entfernung zu beobachten, ist ein tolles Erlebnis. Spätestens aber, wenn ein Elefant beginnt, mit den Ohren zu wedeln und auf dich zurennt, wird einem ganz anders. In diesem Fall handelte es sich nur um einen Jungbullen, der lediglich seine Kräfte demonstrieren wollte, erklärte Peninah. Bei einem ausgewachsenen Bullen müsse man vorsichtiger sein. Wir setzten unsere Fahrt fort und stießen auf einen Löwen, der ein Sonnenbad am Wegesrand genoss. Er ließ sich durch unsere Anwesenheit in keinster Weise stören. Ab und an hob er mal den Kopf, um zu schauen, ob wir noch da waren. Die Reise hätte also nicht besser beginnen können. Mittagessen sollte auf einem Campingplatz im Norden eingenommen werden, dort, wo die großen Buffalo-Herden weiden. Nach dem zeitigen Frühstück waren alle schon ziemlich hungrig und wir sahen den Rastplatz auch schon vor uns liegen. Die Piste wurde immer feuchter und schlammiger und irgendwie ging es gar nicht mehr weiter. Wir hatten uns tatsächlich festgefahren und allein kamen wir da nicht mehr raus. Peninah erinnerte sich, dass sie schon einmal eine Nacht am 25.12. im Park im Auto verbracht hätte und erzählte uns die Anekdote. Da wir aber unmittelbar in der Nähe der neuen weißen Nashörner waren, die eingezäunt an ihre neue Umgebung gewöhnt werden sollten, war auch Hilfe nicht weit. Peninah war damit einverstanden, dass wir kurzerhand an Ort und Stille picknickten. Nach gut einer Stunde kam dann auch der Traktor, der den Landcruiser herausziehen sollte. Unserem Fahrer war es sichtlich peinlich vor seinen Landsleuten, denn sie konnten sich ein Lachen nicht verkneifen. Der erste Versuch scheiterte und die Kette riss. Das kann ja was werden, dachte ich. Dann klappte es aber. Es dauerte keine 50 m und wir steckten erneut fest. Glücklicherweise war der Traktor in der Nähe geblieben und half uns erneut. Das Gelächter war selbstverständlich groß. Die Zeit war nun aber schon so weit fortgeschritten, dass wir die lange Rückfahrt in den Süden antreten mussten, denn der Wagen war bereits für eine Nachtfahrt reserviert. Wir wurden von einem starken Gewitter überrascht und der Regen weichte die Wege noch mehr auf. Bloß nicht nochmal steckenbleiben, dachte ich. Unser Fahrer wollte einiges wieder gutmachen und so manövrierte er uns sicher durch das holprige Terrain. Martha schaffte es tatsächlich, dabei auf der Rückbank zu schlafen. Bis wir kurz vor unserem Ziel von zwei vor uns wartenden Autos aufgehalten wurden. Unser Fahrer wusste sofort, was los war. An derselben Stelle hatte ihn gestern ein riesiger Elefantenbulle gestoppt, der einen Stunde seine Durchfahrt blockierte. Jetzt also das gleiche Spiel mit uns. Peninah wollte mit den Leuten vor uns sprechen und erklärte ihnen, dass sie ihre Autos weit zurücksetzen sollten. Wir würden versuchen, den Bullen zu vertreiben. Falls er doch auf uns zurennen sollte, musste genügend Platz hinter uns sein, um den Rückwärtsgang einzulegen. Doreen und ich dachten nur, warum ausgerechnet wir das versuchen mussten. Unser Auto setzte langsam vor und der Fahrer ließ den Motor aufheulen. Der Elefant ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken. Peninah sagte dem Fahrer, dass er es erneut versuchen sollte. Als letztes Mittel half nur noch die Lichthupe. Der Bulle drehte sich und zog sich ein Stück ins Gebüsch zurück. Das war unser Moment. Peninah rief nur: GO, GO, GO. Adrenalin pur. Vor lauter Aufregung fuhr er mit großer Geschwindigkeit weiter, so das wir fast einen jungen Leopard übersahen, der unseren Weg kreuzte. Das war wirklich ein krönender Abschluss des Safariausflugs. Alle waren ganz schön erschöpft und beeindruckt zugleich. Wir freuten uns auf ein schönes Abendessen. Peninah sagte, dass ihre Töchter heute Abend kochen würden und alle danach noch zur Messe gingen. Nur unser Fahrer nicht. Auf ihn wartete noch eine anschließende Nachtfahrt. Der arme Kerl. Wir drückten ihm die Daumen, dass er ohne Panne durchkommen sollte und dann irgendwann auch ein wenig Weihnachten feiern konnte.

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