Unser ganz persönlicher Feiertag

Am 5. Oktober war es endlich so weit. An diesem Tag sollten tatsächlich unsere Container am Haus ankommen und wir würden in unsere neue Bleibe einziehen können. Nach nunmehr fast drei Monaten im Hotel war das eine wahrlich schöne Vorstellung. Unser Umzug hatte eine lange Reise zurückgelegt. Von Berlin nach Hamburg bis Jebel Ali und dann weiter bis Dar es Salaam. Allein in Jebel Ali standen beide Container fast vier Wochen und warteten auf ihre Weiterverschiffung. Die Engpässe auf den Weltmeeren bekamen wir am eigenen Leib zu spüren. Vor Dar es Salaam lagen sie dann noch einmal zwei Wochen auf dem Meer bis eine Einfahrt in den Hafen möglich wurde. Danach musste „nur“ noch der Landweg mit den Trucks bewältigt werden. Auf unserer Reise in den Akagera-Nationalpark an die tansanische Grenze hatten wir gesehen, was dies bedeutet. Bergige, einspurige Straßen, die sich FußgängerInnen, Fahrradfahrer (hier nur die männliche Form, denn ich habe bisher noch keine Frau auf dem Rad gesehen), Motorräder, Autos und eben Trucks teilten. Das beansprucht die volle Konzentration aller Verkehrsteilnehmer. Zum ersten Oktoberwochenende kam dann die Nachricht, dass die Container in Kigali angekommen seien und nach Erledigung aller Zollformalitäten am 5. Oktober entladen werden können. Es gab noch einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Zwischenschritt. Die Spedition hatte unser Umzugsgut in zwei Container (40’ und 20‘) verpackt, die aber in unserem Stadtteil in Kiyovu nicht entladen werden konnten. Die ruandische Spedition musste also beide in kleinere LKWs umladen, damit sie die steilen Straßen erklimmen konnten. Ich war gespannt, wie unser Umzugsgut aussehen würde. Für den Dienstag konnten wir ein paar Freunde gewinnen, die uns beim Ausladen halfen. Beim Verpacken des Haushals erhielt jedes Packstück eine eigene Nummer, die sowohl beim Ein- als auch beim Ausladen abgehakt werden musste. Bei uns waren es immerhin 365 Kartons und das sollte eine Weile dauern. Nachdem wir frühmorgens gerade die Kinder zur Schule bringen wollten, rief uns die Spedition an, dass wir bitte schnellstmöglich zum Zentrallager kommen sollten, wo die Zollbeamtin den ordnungsgemäßen Zustand der Plomben überprüfen wollte. Sie hätte auch nicht viel Zeit und deswegen sollten wir uns beeilen. Das Abliefern der Kinder in der Schule ist aber mitunter ein zeitraubendes Unterfangen: man reiht sich mit seinem SUV in die Schlange ein und bewegt sich langsam (in der Regel mit laufendem Motor, was ich trotz Verschleiß des Anlassers nicht unterstützen kann) zum Eingangstor, wo zunächst von allen Autoinsassen die Temperatur überprüft wird und dann die Kinder vom Schulpersonal in Empfang genommen werden. Vorher müssen wir den Dropoff der Kinder via App anmelden. Gerade in den ersten Schulwochen war dies eine echte Herausforderung. Von Berlin waren wir da anderes gewöhnt. Jedenfalls kam just in dieser Wartesituation der Anruf und ich hatte wirklich Bedenken, dass wir dies zeitlich nicht schaffen würden und die Zollbeamtin nicht so lange warten würde. Der Verkehr in Kigali war um diese Zeit extrem und das Lager war am Stadtrand in der new economic zone. Ich gab mein Bestes, hatte ich mich doch in den vergangenen Wochen an den heimischen Fahrstil gewöhnt. Warum jedoch manchmal die Verkehrsregelung mittels funktionierender Lichtzeichenanlage, die einem sogar die entsprechende Wartezeit anzeigt, zu Gunsten einer Regelung durch einen Verkehrspolizisten ersetzt wird, habe ich noch nicht ganz verstanden. Dafür gibt es aber sicherlich Gründe. Wir kamen nach 30 Minuten stressiger Autofahrt an und waren um Deeskalation bemüht. Die Begründung für unsere Verspätung mit der Fürsorge um die eigenen Kinder wirkte wie immer Wunder und so war es dann endlich so weit. Wir würden tatsächlich noch heute unsere Sachen bekommen. Die Umzugsleute kannte ich schon, weil ich ein paar Wochen zuvor bereits bei einer Kollegin von Doreen geholfen hatte. Insofern war es eine vertraute Atmosphäre. Die Container wurden geöffnet und nun peu à peu in einen kleineren LKW umgeladen. Es war wie Tetris, denn Schenker hatte großzügig gepackt. Die Kartons wurden sogleich auf mögliche Schäden untersucht. Es dauerte nicht lang, bis ein bekannter Geruch in die Nase aufstieg. Wir hatten ein paar heimische Weinflaschen eingepackt, von denen manche die Reise nicht überlebt haben. Einige Korken hatten offenbar in der Hitze selbstständig den Weg aus der Flasche gefunden. War zu verschmerzen. Unangenehmer war dagegen aber ein Olivenölkanister, der beschädigt war und langsam vor sich hinsiffte. Leider auf den Ledersessel, der nunmehr eine ganz eigene Patina bekam. Doreen hatte mich vorher inständig darum gebeten, mögliche Schäden mit einer gewissen Gelassenheit zu nehmen. Ein wenig Schwund gebe es wohl immer. Naja, ich ärgerte mich vielmehr darüber, dass dieser Schaden vermeidbar gewesen wäre. Im Großen und Ganzen war aber alles noch so wie es eingepackt wurde. Wie zu erwarten war, passte nicht alles in den Truck und sie würden mindestens zweimal fahren müssen. Vom Lager machten wir uns auf den Weg zum Haus, wo die anderen bereits sehnsüchtig warteten. Faustin, die gute Seele des Hauses, machte Eierkuchen zur späteren Stärkung. Doreen und ich hatten vorab einen Plan gemacht, welche Kisten in welches Zimmer kommen sollten. Und so ging das Entladen, Abhaken und Zuordnen relativ geschmeidig. Die zweite Tour würden wir also heute auch noch schaffen. Die Packer wollten am nächsten Tag wiederkommen und die Möbel aufbauen, doch ich entschied mich, dies selbst zu machen. Als am Abend dann alle gegangen waren, merkten wir, wie kaputt wir eigentlich waren. Ich fragte mich, wie es den Packern wohl gehen mag. Dieser Job ist körperlich eine echte Herausforderung. Wir hatten vorsorglich noch zwei Nächte im Hotel verlängert, weil wir noch keine einzige Kiste ausgepackt hatten. Dies sollte dann in den kommenden Tagen die Hauptbeschäftigung werden. Den nächsten Abend verbrachten wir aber dann bereits im Haus und es fühlte sich so an, als ob wir nun tatsächlich in Kigali angekommen waren. Und so genossen wir den Abend bei einem Glas Wein mit dem fantastischen Blick über Kigali. Jetzt können wir auch endlich unseren Mango- und Avocadobaum pflanzen. Die gab es nämlich anstatt Blumen zum Jahrestag.

Weiter ging es leider nicht rein für den Umzugswagen.
Carl und Martha haben bereits ihren Lieblingsplatz gefunden.
Wohnzimmer unaufgeräumt
Haustier war bereits vor uns da
Kigali bei Nacht
Salon pour les fêtes
Terrasse mit Blick über Kigali
Küche

5 Antworten auf „Unser ganz persönlicher Feiertag

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  1. Liebe Doreen und lieber Norman. Schön dass ihr jetzt im eigenen Heim ankommen könnt. Es sieht toll aus! Inkl. Den kleinen Hausbewohnern 🦎. Ein gutes einleben wünschen wir euch! 👋😊

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  2. Wow, wart ihr inzwischen fleißig! Jetzt fühlt ihr euch endlich angekommen und hoffentlich auch mehr zu Hause. Sieht herrlich aus 😉
    LG Marco

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  3. Grüße aus Eckernförde,
    freuen uns für Euch. Ist ja ein tolles Haus.
    Versucht die Zeit zu genießen!
    Wünschen Euch weiterhin alles erdenkliche Gute.
    Sigrid und Jochen

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