“True beauty begins inside” – Am Ende zählt doch nur die Frisur

Jetzt sind wir schon einen Monat in Kigali und wir hatten uns vorgenommen, ein wenig die Stadt mit dem Auto zu entdecken. Bisher hatten wir nur unser Stadtviertel zu Fuß erkundet. Doreen hatte von einer Kollegin einen Kontakt zu einem Fahrer namens Mahoro (Frieden) bekommen, der uns ein wenig durch die Stadt chauffieren sollte. Der Name war sofort vertrauenserweckend. Die Schule hatte uns zuvor eine Liste zukommen lassen, was wir noch alles für den Schulanfang besorgen mussten, also machten wir uns auf den Weg. Wir bekamen einen Tipp für eine librairie, die gut sortiert fast alles vorrätig hatte. Den Rest könnten ja vielleicht die Großeltern mitbringen, die schon fleißig Pläne für den ersten Besuch schmiedeten. Carl und Martha werden sich riesig freuen. Vor allem Martha, die sich nunmehr doch häufiger nach Berlin und der Kita zurücksehnt. Carl schafft es aber auf erstaunliche Weise, seine kleine Schwester stets aufs Neue zu motivieren und ich bin ihm wirklich dankbar dafür. Das Fehlen gleichaltriger Kinder kann ich nur bedingt kompensieren und wir hoffen, dass beide gut in der Schule ankommen werden. Ihre Freunde aus Berlin hatten zwischenzeitlich Fotos von der Einschulung geschickt, was zusätzlich motivierte. Wir beschlossen daher kurzerhand, einen Abstecher zur Ecole belge zu machen. Die zukünftige Schule, die 2015 ihr 50-jähriges Jubiläum feierte, lag früher in Kiyovu, fußläufig zu unserer neuen Bleibe, ist aber vor einigen Jahren nach Gisozi umgezogen. Ein kleiner Wermutstropfen, sind wir doch dadurch auf den täglichen Einsatz des Autos angewiesen. Google Maps spuckte optimistische 15 Minuten Fahrzeit aus, was jedoch sogleich von den Einheimischen belächelt wurde. Rechne lieber mit 35-40 Minuten, denn man müsste einmal durch die ganze Stadt. Und das am frühen Morgen. In Berlin kämpften wir mit übermotivierten E-Bikern um jeden Zentimeter. Hier werden es vorrangig Mopeds werden. Ich hatte schon jetzt gehörigen Respekt. Die ungeschriebene Grundregel lautete aber: Das größte Fahrzeug hat Vorfahrt. Nach dem Ende des Lockdowns drängte nunmehr morgens pünktlich 7:00 Uhr der zunehmende Verkehr das Konzert der Vögel immer weiter in den Hintergrund. Seit einigen Tagen konnten wir jedoch vor unserem Balkon eine Schar Flughunde beobachten, die Zuflucht vor den Milanen in den Bäumen suchten und immensen Krach machten. Ich dachte immer, dies seien nachtaktive Tiere. Es sieht jedenfalls beeindruckend aus und Carls Fernglas erfüllt auch seinen Zweck.

Flughunde vorm Balkon

Bevor wir der Schule einen kurzen Besuch abstatten wollten, entschlossen wir uns, am Kandt-House anzuhalten. Richard Kandt war ein deutscher Arzt und Naturforscher (nein, kein Leopoldina-Mitglied). Er ist Teil der deutschen Kolonialgeschichte in Ostafrika und genießt weit über die Stadtgrenzen hinaus hohen Bekanntheitsgrad in Ruanda. In seinem Werk Caput Nili berichtet er von der Entdeckung einer der Nil-Quellen. Ursprünglich war im Kandt-House ein Naturkundemuseum eingerichtet. Heute berichtet es über die Geschichte zur deutschen Kolonialzeit. Vom ursprünglichen Naturkundemuseum ist nur eine kleine Sammlung heimischer Schlangen (Schwarze Mamba bis Python) geblieben, die wir uns anschauten. Vom Museum hat man einen wunderbaren Blick auf Mount Kigali – beliebtes Wandergebiet am Stadtrand von Kigali, das auf unsere Entdeckung wartete.

Richardt Kandt im gleichnamigen Museum
Stadtteil Kimisagara und Mount Kigali im Hintergrund

Im Anschluss schauten wir uns die Schule kurz von außen an. Ich glaube, wir sind aufgeregter als die Kinder. Da Schulbeginn erst am 1. September ist und gefühlt alle im Urlaub sind, hält sich auch der Informationsfluss noch arg in Grenzen. Geduld ist das Gebot der Stunde. Das trifft übrigens auch auf unsere Container zu, die immer noch in Dubai festhängen. Wir beendeten den Ausflug mit einem ausgiebigen Snack und fassten bereits Pläne für die nächsten Aktivitäten. Wir wollen die Kinder mit einem Ausflug in den Akagera-Nationalpark überraschen. Und dafür brauchte es ein wenig Fahrpraxis. Wir mieteten ein Auto und tauchten in den Stadtverkehr ein. Dave, ein philippinischer Friseur, war das auserkorene Ziel. Die Empfehlung sollte sich als Glücksgriff herausstellen und die gesamte Familie wurde mit Kopfmassagen und Haare waschen bzw. schneiden verwöhnt. Martha und Carl konnten gar nicht genug von den Massagen bekommen. Den Nachmittag haben wir dann gut frisiert bei Freunden ausklingen lassen.

Vater und Tochter genossen nur den Wasch-/Massageservice
Der Stuhl war nicht ganz auf meine Größe ausgelegt, aber was macht das schon…
Das richtige Werkzeug ist die halbe Miete

2 Antworten auf „“True beauty begins inside” – Am Ende zählt doch nur die Frisur

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  1. Der Hinweis auf einen Coiffeur, zumal in Afrika, weckt beim geneigten Leser eigentlich Neugier und Erwartung nach grundlegender, ja substanzieller äußerer Veränderung. Den Leser dann ohne eine Aussicht auf das haarige Opus Magnum zurückzulassen ist ein Cliffhanger allererster Güte! Also bitte, lieber Norman, liefere doch bitte nach, ob und wenn ja wie die Heenemänner*innen den Besuch beim lokalen Haar-Artisten hinter sich gebracht haben! Grüße aus Kuens bei Meran, Falk

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