Abflug nach Kigali und Ankunft im HEAVEN

Am 15.7.21 um 7 Uhr sollte es nun endlich soweit sein. Wir würden zu unserem Abenteuer nach Kigali aufbrechen. Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend und emotional. Arbeit und Vorbereitung auf der einen Seite, Abschied nehmen von Familie, Freunden, Kita …. Wir hatten ein tolles Fest am Ort unserer Hochzeit in Wrechen vor 7 Jahren organisiert. Es waren trotz Corona die allermeisten gekommen und wir haben ein wunderschönes Wochenende bei Petra verbracht. Vor einigen Wochen, ursprünglich hatten wir Pfingsten ins Auge gefasst, war es noch undenkbar, mit mehr als 5 Personen gleichzeitig in einem Raum zu sein. Jetzt war es perfekt und sommerlich dazu. Der Mai dagegen war ziemlich verregnet. Ich hatte schon mal vorsorglich Kigali in der WetterApp gespeichert und das sah wirklich vielversprechend aus. Und so machten wir uns an unserem letzten Wochenende in Deutschland zu den Eltern zum Abschiednehmen auf. Das erste Mal für so eine lange Zeit. Es war ein schönes Wochenende. Warm, entspannt, Italien wurde Fußball-Europameister. Am Dienstag vor der Abreise hatten Carl und Martha ihren letzten Kitatag und wir haben uns bewusst viel Zeit genommen, uns von allen zu verabschieden. Die Kita war in den letzten fünf Jahren zu einer zweiten Familie geworden und wir sagen herzlichen Dank für diese tolle Zeit. Wir haben neue Freundschaften geschlossen, die bleiben. Fiona und Marco hatten uns ihr Haus für die letzen beiden Wochen überlassen, nachdem wir unsere Wohnung an unsere Nichte Melissa und ihre Kommilitonin Henrike vermietet haben. Herzlichen Dank an euch alle. Mittwoch vor dem Abflug organisierten Jan und Elaine nochmals eine Bootstour mit den Schulkindern, so dass wir in Ruhe packen und die Sachen ins Hotel am BER bringen konnten. Nachmittags sagten wir Au revoir zu Jan und Elaine. Unsere feuchten Augen konnten wir nicht verbergen, aber wir sehen uns wieder. Im Hotel angekommen hatten wir tierischen Hunger, so dass wir uns ein letztes Abendessen in Deutschland gönnten. Man merkte, dass das Restaurant dem unerwarteten Ansturm der Gäste nach so langer Zeit des Stillstands noch nicht gewachsen war. Carl und Martha machten super mit und vom Hotel gab es zwei Flaschen Riesling aufs Haus. Wir fielen erschöpft ins Bett. Um fünf Uhr sollte der Wecker klingeln. Doreen wollte wie immer noch ein wenig länger schlafen, doch ich traute dem Frieden trotz 100m Fußweg zum Terminal nicht. Und so bestand ich darauf, dass wir früh aufstehen. Carl und Martha waren verständlicherweise total müde. Corona hatte unseren Rhythmus im letzten Jahr sowieso durcheinander gebracht. Und so rollten wir unsere sieben Koffer +Handgepäck zum Check-In. Es herrschte bereits reger Betrieb. Es hat alles geklappt und so saßen wir pünktlich im Flieger nach Brüssel. In den Nachrichten war von verheerenden Regenfällen im Westen Deutschlands zu lesen und es sah dramatisch aus. In Brüssel war Dauerregen bei 15 Grad. Ich checkte nochmal das Wetter in Kigali. Sonne, 28 Grad. Was will man mehr. Am Flughafen hatten wir noch Zeit und mussten noch die Malaria-Prophylaxe einnehmen. Was für uns so einfach war, schien für Carl und Martha zu einer unüberwindbaren Aktion geworden zu sein. Martha hatte zudem ein dickes Auge, aber wir wollten und mussten dies die erste Zeit nehmen, um vor Ort zu schauen, wie die Situation überhaupt ist. Ich las viel darüber, aber richtig einschätzen konnte ich es nicht. Malaria war das letzte, was wir uns einfangen wollten. Wie überzeugt man Kinder, bitter schmeckende Tabletten möglichst ohne zu kauen (zwei Stück täglich) zu nehmen: Natürlich Gummibärchen. Mal sehen wie es in Kigali am nächsten Tag werden würde. Wir nahmen Platz in der Business Class (was für ein Luxus) und der A330 hob mit 30 min Verspätung Richtung Entebbe via Kigali ab. Ich fliege grundsätzlich nicht so gern, aber in der Business Class war das anders. Eigentlich waren wir alle müde, das Entertainment-Programm war aber zu verlockend. Ein Vorteil von Brussels Airlines war die Bierkarte und der Steward hat sich echt wirklich Mühe gegeben, mich bei jedem Gang von den Annehmlichkeiten zu überzeugen. Ich hatte aber noch die zwei Flaschen Riesling im Kopf, so dass ich beim Wasser blieb. Wir flogen das Adriatische Meer entlang, ich nahm noch ein paar Fotos von Split von oben auf (ein paar Freunde machten in diesem Jahr Urlaub in Kroatien) und es sah fantastisch aus. Nachdem wir das Mittelmeer überquert hatten, ging es über Ägypten, Sudan, Südsudan und Uganda nach Ruanda. Es war ein toller Flug. Wir kamen im 19:35 Uhr in Kigali an. Man konnte die vielen Lichter auf den Hügeln sehen, aber es war trotzdem stockdunkel. Sonnenuntergang war bereits 18 Uhr. Jeden Tag gleich. Der Flughafen ist klein, so dass wir direkt übers Rollfeld in die Empfangshalle laufen konnten. Abenteuerlich. Es roch ganz anders. Ich kann nicht beschreiben wonach. Doreen hatte sich dankenswerterweise um die ganzen Einreiseformalia gekümmert. Einen PCR-Test mussten wir aber noch machen und anschließend eine Nacht im Quarantäne-Hotel auf das Ergebnis warten. Unser Gepäck war vollständig und am Ausgang wartete Artif, der Fahrer vom Hotel. Das Heaven Retreat wurde 2008 von Alissa und Josh Ruxin erbaut und hat seitdem nach eigenen Angaben über 1000 Ruander ausgebildet. Alles wurde mit heimischen Arbeitskräften erbaut. Und es ist wahrlich eine schöne Bleibe. Artif kam mit einem alten Toyota SUV und Carl war sofort hin und weg. Er wuchtete unser Gepäck ins Auto und dann ging es los. Die Straßen waren leer und das lag an der Corona-bedingten Ausgangssperre, die ab 18 Uhr gilt. Für die Fahrt benötige man eine Ausnahmegenehmigung, erklärte Artitf. Er selbst kam aus New Jersey und war seit 2 Jahren in Kigali. Der ursprüngliche Plan sei eine Musikschule gewesen, dann kam Corona und er heuerte beim Heaven an. Die Fahrt durch Kigali war spannend. Ich hatte ja schon einiges gelesen über das Land der 1000 Hügel. Aber es sah fantastisch aus. Zwischenzeitlich dachte ich, dass es doch besser gewesen wäre, ein E-Bike mitzunehmen. Die Steigungen sind teilweise extrem und so quälte sich der Toyota durch die hell erleuchteten Straßen. Kigali ist sauber, alles ist gepflegt und die Ausgangssperre wird durch Polizisten überwacht. Wir erreichten unsere Bleibe, das für die nächsten Wochen unser zu Hause sein sollte. Wir wurden herzlich begrüßt, bezogen unsere Zimmer und fielen überwältigt von den Eindrücken ins Bett. Was vor Monaten noch so weit weg erschien, war jetzt Realität. Kigali hat uns wunderbar empfangen.

Split von oben. Schönen Urlaub allen!
Split von oben. Schönen Urlaub allen!

3 Antworten auf „Abflug nach Kigali und Ankunft im HEAVEN

Add yours

  1. Merci pour ce partage! vraiment très sympa de vous suivre dans votre vie nouvelle sur un autre continent ! Bon courage pour le vélo…Mais tu as réussi à en faire à Marseille sans avoir de vélo électrique , tu vas sûrement t’habituer à Kigali aussi !! bises marseillaises liliane

    Like

  2. Grüße aus Eckernförde,
    danke für Euren interessanten Bericht. Werden ihn weiter verfolgen.
    Sigrid u. Joachim

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Gabriele Sawitzki Antwort abbrechen

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑