Der letzte Beitrag stammt tatsächlich von Ende Mai. Es zeigt einmal mehr, wie schnell die Zeit auch auf dem afrikanischen Kontinent vergeht. Nicht, dass es nichts zu berichten gäbe. Wir haben mittlerweile Halbzeit, d.h. im nächsten Sommer müssen wir entscheiden, wohin 2025 die Reise gehen wird. Berlin steht dabei sicherlich an erster Stelle, vor allem auch, weil meine Elternzeit im kommenden Jahr endet. Vor zwei Jahren schien das noch unglaublich weit weg.
Am 9. Juni begannen die Sommerferien. Ich vergewisserte mich mehrmals, dass ich mich nicht verrechnet hatte, aber es lagen tatsächlich elf Wochen Sommerferien vor uns. Carls Lehrerin, Mrs. Sonja aus Kalkutta, bat uns, auch während der Ferien ein wenig Schulaufgaben zu machen, damit die Kinder nicht alles verlernten. Dieser Bitte kamen wir gerne nach. Es zeigte uns aber auch, dass nicht nur uns die lange Ferienzeit ein wenig bedrückte. Wir hatten uns für vier Wochen Summer School angemeldet, wovon zwei Wochen in einer anderen Schule stattfanden. „Awesome Athletics“ und „STEAM“ (Science, Technology, Engineering, Art, Mathematic) klangen zu verlockend, obwohl die Schule auf der anderen Seite der Stadt lag. Wir waren aber auch gespannt, wie Carl und Martha die andere Schule gefallen würde. Am ersten Tag verlief die Trennung erwartungsgemäß etwas zögerlich, aber wir waren dennoch überrascht, wie schnell die Integration gelang. Das lag nicht zuletzt an der Organisatorin Cara, die eine beneidenswerte Geduld und Hingabe bei der Arbeit mit den Kindern zeigte. Am Ende der zwei Wochen wurden auch die Eltern eingeladen, um sich die Arbeiten von den Kindern präsentieren zu lassen. Vor gut einer Woche saßen wir dann zum Mittagessen bei unserer Boulangerie des Vertrauens, als Martha uns auf eine Frau aufmerksam machte. Sie meinte, dass sie sie kenne. Es war Cara von der Summer School. Marthas Erinnerungen waren nachhaltiger als wir alle erwartet hätten. Da waren bereits drei Monate vergangen. Die anderen zwei Wochen in der Earth School waren dagegen reine Routine.
Thomas und Sandra hatten sich mit Greta, Albi und Hedi dann für die zweite Julihälfte angekündigt. Die Vorfreude war riesig. Dass sie zu fünft diese lange Reise auf sich nahmen, nötigte uns wirklich Respekt ab. Ich hatte noch immer unseren letzten Heimflug in Erinnerung, bei dem ich fast zwei Stunden stehend verbrachte, weil Carl unbedingt auf zwei Sitzen schlafen wollte. Ich hoffte ehrlich, dass es diesmal besser werden würde. Aber Flüge werden zumindest nicht für mich zur Routine und das ist auch gut so. Da Doreen noch arbeiten musste, hatten wir nur zwei Wochenenden für gemeinsame Ausflüge zur Verfügung. Ehrlicherweise muss man sagen, dass Ruanda mit Kindern unter 14 Jahren nicht sehr viele Reisemöglichkeiten bereithält. Der Virunga-Nationalpark ist generell für kleinere Kinder geschlossen, da man jederzeit auf Gorillas treffen kann. Zuletzt hat man auch noch im Nyungwe-Regenwald, der seit diesem Jahr auf der Welterbeliste der UNESCO steht, die Eintrittspreise angehoben, so dass es mittlerweile recht kostenintensiv geworden ist. Nichtsdestotrotz ist es eine beeindruckende Naturlandschaft. Carl und Martha fragten neulich, woher die Menschen eigentlich kommen. Bei der Suche nach verständlichen und kindgerechten Erklärungen haben sie schnell verstanden, dass Afrika bei der Entwicklung des heutigen Menschen eine zentrale Rolle gespielt hat. Zugegebenermaßen ist es schwer vorstellbar, wie die Wanderbewegungen in Richtung des heutigen Europa vor tausenden Jahren stattgefunden haben. Dass Afrika aber größtenteils mit Regenwald bedeckt war, kann man sich im Nyungwe-Wald dagegen umso leichter vorstellen.
Wenn man die Vulkane schon nicht mit Kindern besteigen kann, dann sollte man sie aber jedenfalls von der Ferne aus betrachten. Deswegen fuhren wir routiniert für zwei Nächte zu den Schwestern zum Foyer de Charité am Lake Ruhondo. Dort machten wir die Bekanntschaft von Vater Martin, der ebenfalls aus Kigali für ein Zeremoniell angereist war. Wir luden ihn zu einer gemeinsamen Bootsfahrt ein und tauschten uns aus, sprichwörtlich über Gott und die Welt. Er bat mich um meine WhatsApp-Nr., die ich ihm gern gab einschließlich der rhetorischen Nachfrage, ob auch die Kirche bereits im digitalen Zeitalter angekommen sei. Er schmunzelte und ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass das „mot de Dieu“ natürlich immer noch in der Heiligen Schrift niedergelegt sei. Das Foyer de Charité ist auch deshalb immer wieder eine Reise wert, weil man sich auf ungezwungene Weise mit dem Thema Religion auseinandersetzen kann. Allein die gesangliche Bereicherung der allmorgendlichen Messen durch die Schwestern ist ein Genuss. Auch ein Spaziergang durch das angrenzende Dorf hinunter zum See darf bei einem Besuch nicht mehr fehlen. Auf der Rückfahrt wollte Sandra unbedingt noch Igisheke (Zuckerrohr) kosten. Hier zahlten sich dann die Kinyarwanda-Kenntnisse aus, die eine Kommunikation mittlerweile erleichtern.
Traditionell schlagen wir unseren Gästen auch eine Reise in den Akagera-Nationalpark vor, wobei wir diesmal die Übernachtung im Zelt auf dem Mutumba-Campingplatz im Norden gewählt hatten. Tags zuvor hatte Faustin einen riesigen Topf Bolognese gekocht und eingefroren, so dass wir diesen dann abends nur noch aufwärmen mussten. Die achtstündige Fahrt sollte ausreichen, um den Topfinhalt aufzutauen. Peninah war wie immer unser Guide im Park, wobei wir nach langer Zeit mal wieder selbst gefahren sind. Eigentlich versuchen wir das zu vermeiden, weil jedenfalls der Fahrer nicht so viel von der Tierbeobachtung hat. Juli ist generell ein schwieriger Monat, da es viele Tiere aufgrund der Trockenheit zum Wasser zieht, der Zugang dort aber nur begrenzt ist. Nichtsdestotrotz wiederhole ich es immer wieder gern, dass der Park zu jeder Zeit immer eine Reise wert ist. Über Ostern hatten wir den Amboseli- und den Tsavo-Nationalpark in Kenia besucht, wo man aufgrund des flachen Geländes den Blick weit schweifen lassen kann. Beeindruckenderweise wird dieser im Süden dann nur durch den majestätischen Kilimandscharo verstellt. Trotz der langen Autofahrten hatten die Kinder eine Ausdauer, die sich nur mit der Vorfreude auf die Bolognese erklären ließ. Als wir in der Abenddämmerung auf dem Campingplatz ankamen, verloren wir keine Zeit und bauten die Nachtlager auf. Freunde hatten uns ein zusätzliches Zelt für Thomas und Sandra geliehen, dass in seiner Dimension einer wahren Luxusunterkunft ziemlich nahekam. Leider platzte dann beim Aufpumpen die Luftmatratze, so dass der Liegekomfort ein wenig zu wünschen übrig ließ. Sandra verschlug es daraufhin spontan ins Auto. Manchmal frage ich mich, ob diese Spontanität einem das Leben nicht generell etwas leichter macht. Unvergesslich bleibt an diesem Abend die Ankunft von einem italienischem Pärchen auf dem Campingplatz zu fortgeschrittener Stunde. Sie fragten uns, wo man denn hier zu dieser Zeit noch ein Zelt mieten könnte. Peninah viel fast vom Glauben ab. Auf dem Campingplatz gab es lediglich Holz zum Anfeuern, damit nachts die Schlangen Abstand hielten, Toiletten, eine Dusche und ein Wasserloch, aus dem man Wasser nach oben hätte pumpen können, wenn nicht bereits das ganze im Kanister befindliche Wasser zum Ansaugen des Grundwassers alle gewesen wäre. Glück demjenigen, der vorher geduscht hatte. Nachdem wir ausgiebig am Feuer gespeist hatten, stellte sich ziemlich schnell die Müdigkeit ein. Der aufgezogene Sternenhimmel war unbeschreiblich. Da der Campingplatz von einem Elektrozaun umgeben ist, sollte die Nacht auch tatsächlich erholsam werden. Geweckt wurde ich dann trotzdem von einem Geräusch, was dem Heulen von Wölfen ziemlich ähnelte. Peninah sagte mir morgens, dass es das Gebrüll der Löwen gewesen sei, die Thomas und Sandra am nächsten Tag auch unweit unseres Nachtlagers im Dickicht entdeckt haben wollten. Zu hören waren außerdem die umherschleichenden Hyänen. Da waren wir dann doch alle froh, dass zwischen uns der Elektrozaun lag. Im Akagera-Park gibt es im Süden auch einen Campingplatz, der ungesichert ist. Ich weißt nicht, ob wir da noch hinkommen werden. Vielleicht mit einem Dachzelt ;-).
Unser Ausflug endete mit einer Übernachtung am Lake Muhazi in der Umuco-Lodge, quasi auf halber Strecke nach Kigali. Die Meinungen über die Qualität der Unterkunft gehen ziemlich auseinander. Das hängt davon ab, wen man fragt. Für Ruander ist es am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel, weswegen es schon mal überdurchschnittlich laut werden kann. Wir kamen aber am Sonntagabend, hatten quasi die ganze Lodge für uns und genossen den herrlichen Blick und die Stille überm See. An den Ufern dieses Sees soll nach mündlicher Überlieferung im 14. Jahrhundert das Königreich Ruanda gegründet worden sein. Das konnte ich aber noch nicht nachprüfen! Bevor unsere gemeinsame Zeit dann aber enden sollte und wir uns auf den Weg nach Deutschland machten, unternahm ich mit Thomas noch zwei Fahrradausflüge in der näheren Umgebung von Kigali. Falls es noch einer Bewerbung Ruandas als ideale Mountainbike-Destination bedarf, so werde ich das nachholen. 2025 wird Ruanda Austragungsort der UCI-RadrennWM sein, womit das kleine afrikanische Land am Äquator ebenfalls einen Coup gelandet hat. Die Nachricht, dass der FC Bayern München mit Visit Rwanda eine Kooperation ähnlich wie der mit dem FC Arsenal abschließen werde, kam dann doch etwas überraschend. Ziel der Kooperation sei es vordringlich, Nachwuchs auszubilden. Wenn der Slogan auf dem Ärmel eines Bundesligavereins dann auch noch den einen oder anderen Besucher aus Deutschland zu einem Besuch in Ruanda animieren sollte, wäre man sicherlich nicht abgeneigt.
Wir traten unsere Reise nach Deutschland an und freuten uns auf unseren Roadtrip nach Frankreich, Italien und Österreich, ohne zu verschweigen, dass Carl und Martha bei den Großeltern blieben. An dieser Stelle sei ihnen nochmal herzlich gedankt.





























Hinterlasse einen Kommentar