In Berlin haben wir an den Wochenenden auch meistens etwas unternommen, um einfach der beengten Stadtwohnung ein wenig zu entfliehen. In Kigali ist das eigentlich nicht unbedingt zwingend. „Haus und Hof“ bieten ausreichend Abwechslung und Betätigungsfelder. Letztes Wochenende hatten ein paar befreundete Familien die Idee, zu einem Camping-Wochenende auf die Lakeside-Fishfarm im Süden nahe der burundischen Grenze zu fahren. Unser letztes Camping-Abenteuer liegt schon eine Weile zurück und ich war erstaunt, dass Doreen sofort zusagte. Meine letzten Erinnerungen waren nur schmerzender Rücken, kaum Schlaf und zu wenig Platz für vier Leute in unserem 3-Mann-Frau-Zelt. Ruben sagte, dass man aber auch ein weiteres Zelt vor Ort mieten könnte. Ich wollte aber unbedingt mal wieder unser Zelt aufbauen, so dass sich vielleicht das drohende Platzproblem nicht stellen würde. Die Lakeside-Fishfarm liegt 1,5 Stunden Fahrzeit südlich von Kigali und wird von Roger (ein pensionierter Brite) und seiner ruandischen Frau Faith betrieben. Das 14 Hektar große Areal wird nicht nur zur Fischzucht von Tilapia und Catfish genutzt, sondern beheimatet auch Ziegen, Schafe, Schweine, Hunde, Hasen… Ein wahres Kinderparadies, also. Faith erzählte abends am Feuer vom schwierigen Start. Das Land war quasi Urwald und überall waren Schlangen. Der Verkäufer sei wohl irgendwann wiedergekommen, weil er meinte, dass die Bäume nicht mitverkauft worden seien und er nunmehr das Holz fällen würde. Ich weiß nicht, wie das ruandische Recht ist, aber es klang seltsam. Faith erzählte auch, dass die umliegende Bevölkerung dem Kauf ebenfalls zustimmen musste. Als diese vom Projekt erfuhren, standen sie Schlange und baten um eine Arbeitsmöglichkeit. Faith ist eigentlich Lehrerin, deren Familie nach Uganda flüchten musste. Dort hat sie ihre Ausbildung durchlaufen und will heute ihrer eigentlichen Heimat etwas zurückgeben. Da Bildung das wichtigste Gut ist, entschlossen sie sich, auch einen Schule zu bauen, die heute mehr als 200 Kindern das Lernen ermöglicht. Dieser Tatendrang ist irgendwie ansteckend, wenn man den Menschen hier zuhört. Während wir unsere Gespräche vertieften, genossen die Kinder die Freiheit und spielten ausgelassen. Alle gehen in die gleiche Schule und wohnen auch nur eine Parallelstraße entfernt. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, die sich auch auf die Eltern übertragen hat. Abends gab es BBQ unterm Sternenhimmel. Der gewohnte Rhythmus hatte hier einmal Pause. Die Kinder würden irgendwann sowieso von allein müde werden. Doreen hatte sich entschlossen, mit Carl und Martha im großen Zelt zu schlafen, ich hatte mein Nachtlager unmittelbar daneben aufgeschlagen. Es war den ganzen Tag über 30 Grad und irgendwann fielen alle nur noch müde ins „Bett“. Ich genoss noch ein wenig die Ruhe am Feuer. Am nächsten Tag sollten wir nämlich eine Führung durch die Fishfarm bekommen, mit einer besonderen Überraschung. Emmanuel erklärte uns die Arbeit in und an den Bassins. Die Kinder durften die Fische füttern und dann war es endlich so weit – Fische melken. Ich konnte mir gar nichts darunter vorstellen. Das Wasser in den Bassins wird regelmäßig abgelassen und ausgetauscht. Das ist der Moment, wenn den weiblichen Tilapia-Fischen die Fischeier aus dem Maul gespült werden. Danach werden sie wieder ausgesetzt. Die Fischeier werden dann zur weiteren Aufzucht verwendet. Eigentlich sollten die Kinder nur zuschauen, aber irgendwann wollten sie alle selbst Hand anlegen. Es gab kein Halten mehr. Das Wasser war mindestens 30 Grad warm und auf der schwarzen Folie konnte man leicht ins Rutschen geraten. Aber sie machten es super, keinerlei Berührungsängste. Ich fand es faszinierend, dass die Weibchen quasi ihren Nachwuchs im Mund herumschleppten. Es waren unzählige kleine Eier und manchmal auch schon kleine Fische. Der Tilapia wird als Frischfisch hauptsächlich nach Kigali verkauft und schmeckt durchaus lecker. Westliche Touristen wollen meistens Filet, erzählte Roger, aber in Ruanda ist man eigentlich den ganzen Fisch. Das hatte er uns allerdings erst erzählt, nachdem wir die Filets zum Mittagessen bestellt hatten. Jetzt wissen wir, wie es richtig geht. Den Sonntag verbrachten wir noch bis zum Nachmittag dort, ehe wir wieder nach Kigali aufbrachen. Carl und Martha hatten ihre Freude am Landleben. Vor allem aber an zwei kleinen Hundewelpen. Die Antwort von den Großeltern auf die scherzhafte Nachricht über den neuen Familienzuwachs: „Ist nicht euer Ernst 🐶.“. Die Versuchung war aber da!









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