Auf dem Weg zum Selbstversorger

Letzte Woche Mittwoch war erneut Feiertag. Nein, wir sind nicht erneut umgezogen. Wir fühlen uns offen gestanden richtig wohl und man kann sich schnell an das Hausbesitzerleben gewöhnen. Die ersten Besuchergäste hatten sich angekündigt und so waren wir voller Freude, als die Großeltern Ingrid und Wolfhart pünktlich landeten. Carl, Martha und ich (Doreen war zum Abendessen eingeladen, um kulturelle Kontakte zu vertiefen) machten uns auf den Weg zum Flughafen und warteten ganz ungeduldig. Das Einreiseprozedere mit Visa, Test … zog sich ein wenig, aber nach gut einer Stunde rannten Carl und Martha ihren Großeltern in die Arme. Ein schöner Moment und Martha erkundigte sich ungläubig, ob sie denn morgen auch noch da wären. Vor uns lagen jetzt zweieinhalb gemeinsame Wochen, in denen wir ein wenig das Land erkunden wollten. Zuvor mussten aber erstmal die Koffer ausgepackt werden. Einer war allein dazu bestimmt, Dinge mitzubringen, die wir vergessen hatten. Ein nicht ganz unwichtiges Teil war die Schlauchkupplung für den Gartenschlauch. Schließlich wollten wir ja erstmals selbst ein wenig Gemüse anbauen. Martha war so erschöpft, dass sie auf dem Rückweg vom Flughafen friedlich neben Oma sitzend einschlief. Carl dagegen war völlig aufgedreht. Von Müdigkeit nichts zu spüren. Mal sehen, wie am nächsten Morgen das Aufstehen klappen würde. Schließlich war ja Schule. Doreen kam dann auch kurze Zeit später und so genossen wir das Wiedersehen in Ruanda. Alle waren ganz schön erschöpft und wir entschlossen, Carl und Martha ausnahmsweise am nächsten Tag zu Hause zu „unterrichten“. Das hatten sie sich verdient. Wolfhart schmiedete sogleich Pläne bzgl. etwaiger Arbeitseinsätze im Garten. Ich hatte ihn gefragt, ob wir nicht einen Hühnerstall bauen könnten und Ingrid würde sich noch daran gewöhnen müssen, dass die Küche Faustins Reich ist. Aber sie sollten ja auch ein wenig den Aufenthalt genießen können. Seit Anfang November unterstützt uns Dismas ein wenig im Garten und er war geübt im Bauen von Hühnerställen. Vor allem wusste er, wo man das nötige Baumaterial dafür bekommen sollte. Nachdem Wolfhart und ich am ersten Urlsubstag schweißtreibend ein Plateau in den knorrigen Hang für das Trampolin geschlagen hatten, machten wir uns bereits am übernächsten Tag an die Behausung für die Hühner. Carl konnte es kaum erwarten, war doch das Absuchen der Eier eine vertraute Beschäftigung bei den Großeltern. Mal sehen, wie viele Eier die ruandischen Hühner legen würden. Freunde von uns hatten sich ebenfalls einige zugelegt. Doreen hatte empfohlen, Überreste von Melonen zu verfüttern (das mochten die Deutschen Hühner besonders gern) doch die Hühner wurden krank. Ob es da einen kausalen Zusammenhang gab, konnte nicht aufgeklärt werden. Jedenfalls war das ruandische Huhn nicht weniger anspruchsvoll. Man hatte uns geraten, auf wilde Katzen und Greifvögel zu achten, denn diese waren die natürlichen Feinde. Dismas hatte bereits einen Bauplan gemacht. Die Behausung sollte 2x3m groß werden, mit potenziellem Freilauf im Garten. Wir machten uns gemeinsam mit Wolfhart auf den Weg nach Gikondo, wo wir im „Holzhandel“ (Sägewerk wäre etwas übertrieben) Eukalyptusholz kauften. Wolfhart berichtete, dass die Holzpreise in Deutschland ungeahnte Höhen erreichten. Eukalyptus ist dagegen in Ruanda ein schnell wachsender Baum und Holzlieferant für jegliches Bauvorhaben. Leider mit dem Nachteil, dass dem Boden sehr viel Wasser entzogen wird. Mittlerweile gibt es forstwirtschaftliche Initiativen, welche die weitere Ausbreitung verhindern wollen. Dismas heuerte einen Fahrer an, der uns das Holz nach Hause bringen sollte. Die Preisverhandlungen waren ein wenig kompliziert, aber schlussendlich einigungsreif. Und so fuhren wir zurück und machten uns an die Arbeit. Dismas wollte motiviert das Holz mit der Machete auf die richtige Länge kürzen. Wolfhart traute seinen Augen kaum. Das Arbeitsgerät schien mir jedoch nicht mehr zeitgemäß und ich holte meine akkubetriebene Handkreissäge. Irgendwie hatte ich geahnt, dass wir etwas bauen werden. Zunächst noch etwas skeptisch ob der Technik erfreuten sich Patrick (unser Wächter) und Dismas später selbst an den Werkzeugen. Die Arbeiten schritten schnell voran. Hier würde nicht lange diskutiert, meinte Wolfhart. Am Samstag wollten wir dann noch die restlichen Baumaterialien besorgen, denn bereits am Montag sollten die Hühner einziehen. Gaudefroy (der andere Wächter) hatte einen Kontakt und nahm einen ausgedienten Umzugskarton, um die Hühner auf dem Fahrrad zu transportieren. Wir hatten uns für fünf Hühner und einen Hahn entschieden, denn auch nach ruandischer Auffassung bräuchten glückliche Hühner einen Hahn. Ich war gespannt. Am Samstag arbeiteten wir den ganzen Tag an der Fertigstellung des Hühnerstalls und freuten uns am Ende des Tages mit kleineren Blessuren am Endergebnis. Die Hühner konnten kommen.

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