Es ist einer dieser Momente, die jeder kennt, der schon einmal in ein anderes Land gereist ist. Wie sieht es eigentlich am helllichten Tag aus? Für uns ist es das erste Mal in Afrika. In der Kita von Carl und Martha in Berlin kamen ein Teil der Erzieher und Erzieherinnen aus Marokko und Kamerun. Alle erzählten sie von ihrem wundervollen Kontinent. In Ruanda war zwar noch keiner gewesen, aber von der Schönheit des Landes hatte man schon gehört. Seitdem bekannt war, dass wir nach Kigali gehen werden, wurde unsere Beziehung noch einmal enger und vertrauensvoller. Das war wunderbar. Merci Axelle, Omar et Prudence. Wir wachten auf und es fühlte sich irgendwie vertraut an. Es war Zeit für ein Frühstück und ich verspürte Lust auf den hoch gelobten ruandischen Kaffee. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Uns begegnete eine Freundlichkeit, die man nicht oft genug herausstellen kann. Wenn man mit Kindern reist, ist dies nochmals einfacher. Kinder bringen Menschen zum Lachen und öffnen Türen. Das erinnert mich an eine der Geschichten, die wir unseren Kita-Erziehern erzählten. In Vorbereitung auf die Reise nach Ruanda fragten Carl und Martha, ob sie auch die Hautfarbe annehmen würden, wenn sie sich nur lang genug in der Sonne aufhalten würden. Die Welt der Kinder ist einfach wunderbar. Wir mussten die Frage allerdings verneinen. Das Frühstück war herrlich, tropische Früchte, Vogelgezwitscher und am Ende stand aber noch die verabredete Malaria-Prophylaxe. Was am Vortag mit allerlei List ging, schien jetzt unmöglich. Bis dato hatten wir keine einzige Mücke gesehen. War vielleicht doch alles übertrieben? Schließlich sind wir auf 1400m Höhe. Wir hielten uns an den ärztlichen Rat und wollten es weiter versuchen. Carl hatte es mittlerweile geschafft, doch Martha wollte partout nicht. Mittlerweile waren Doreen und Carl schon gegangen und ich versuchte Martha von der Notwendigkeit zu überzeugen. Selbst Gummibärchen halfen nicht mehr. Ich erinnerte mich irgendwann an einen Artikel, in dem stand, dass man Malaria-Prophylaxe mit Milch einnehmen sollte. Es gab wunderbaren Yoghurt am Buffet und das war nach mehr als einer Stunde der Schlüssel zum Erfolg. Doreen kam zurück und Martha tat so, als ob es nichts leichteres geben würde. Am Ende zählt nur das Ergebnis. Wir besuchten noch am Freitag das neue Büro von Doreen. Ich sollte mir in der Zwischenzeit eine SIM-Karte für das ruandische Netz besorgen. Ich freute mich auf diesen kurzen Ausflug. Problem war nur, dass ab dem kommenden Tag für 10 Tage Lockdown angekündigt war. Alle waren auf der Straße, um noch letzte Besorgungen zu machen. Es war aufregend, in die Stadt einzutauchen. Ich hatte gewisse Probleme, dass Mobilfunksystem zu verstehen. Bezahlt wird mit MoMoPay (MobileMoneyPay). Man muss quasi Geld aufladen, das dann als virtuelles Bezahlungsmittel für (fast) alles gilt. Ich muss mich noch ein wenig damit beschäftigen, aber es funktioniert. Danach ging es noch zum Geldwechsel und ich hielt meine ersten ruandischen Franc in den Händen (Kurs:1:1000). Zurück bei Doreen fuhren wir für einen kurzen Stopp zu einer Kollegin und dort trafen wir ihre Familie und Alan, ein amerikanischer Freund, mit dem ich sofort ein Gesprächsthema gefunden hatte: Fahrradfahren in Ruanda. Er hatte einen Bike-Shop in Kigali eröffnet und als ich ihm erzählte, dass ich drei Fahrräder im Container habe, funkelten seine Augen. Das Fahrrad ist hier ein wichtiges Verkehrs- und Transportmittel. Ich fühlte mich am richtigen Platz. Nachdem wir uns lange vor der Abreise mit dem Kauf von E-Bikes beschäftigt hatten, sind wir schlussendlich doch mit unseren konventionellen Rädern abgereist. Das wird sportlich werden. Immerhin kann Doreen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ein Luxus, den wir aus Berlin kennen und zu schätzen gelernt haben. Alan versprach mir, mich mit der ruandischen Fahrradcommunity bekannt zu machen. Sensationell. Marcus aus Berlin und ich hatten die Idee einer Fahrradtour durch Ruanda gesponnen. Einen bessere Ausgangslage kann ich mir nicht vorstellen. Nach dem Essen organisierte Doreen noch ein paar Einkäufe, denn am nächsten Tag sollte Lockdown sein, d.h. wir dürfen das Hotel nicht verlassen. Aber das halten wir aus. Zurück im Hotel war es Zeit für ein Abendessen im Restaurant. Die Abenddämmerung zog unglaublich viele Schwarzmilane an, die in den Baumwipfeln um Schlafplätze kämpften. Ein tolles Schauspiel. Carl erkannte sofort, dass es ein Milan sein musste, er erinnerte sich an seinen Opa, mit dem er regelmäßig in den letzten Wochen durch den Wald gefahren war und lernte, wie man einen Falken von einem Milan unterscheiden kann. Seitdem kriegen wir auch solche Kontrollfragen wie: Wie heißt der Schwanz von Biber? oder Wie heißen mehrere Rehe? Ich glaube, er wird sich wohlfühlen in Ruanda. Wir telefonierten mit der Heimat, genossen die ausgezeichnete Küche und fielen voller neuer Eindrücke ins Bett.





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